Räuber oder Robin Hood?

Ende des 18. Jahrhunderts ächzten die Bauern im Hunsrück unter der Knute des Adels und der napoleonischen Besatzung. Doch ein Mann wehrt sich: Räuberhauptmann Schinderhannes, der auch als der „Robin Hood vom Hunsrück“ bekannt wurde – wohl hauptsächlich durch die romantische Verfilmung von 1958 mit Curd Jürgens und Maria Schell als seine Gespielin „Julchen“.

Gedreht wurde damals unter grossem Interesse der Einheimischen in umliegenden Hunsrück-Dörfern und im idyllischen Moselstädtchen Bernkastel-Kues. 

 

Heute wird die Lebensgeschichte des Abdecker-Lehrlings Johannes Bückler (damals „Schinder“ genannt) etwas weniger verklärt gesehen, denn ihm wurden immerhin mindestens 211 Straftaten, zumeist Diebstähle, Erpressungen und Raubüberfälle, nachgewiesen. Gemeinsam mit 19 Mitgliedern seiner Bande wurde er nach einem Verrat aus eigenen Reihen 1803 in Mainz öffentlich geköpft. Bis dahin lebte er mit seinen Spießgesellen in der Burgruine Schmidtburg – übrigens ein tolles Ausflugsziel für eine Wanderung.

schmidtburg_bearb

Die Legendenbildung begann noch zu seinen Lebzeiten, als bereits kurz nach seiner Festnahme diverse Biographien über den Räuber auf den Markt kamen. Diese weitgehend erfundenen Geschichten begründeten auch eben diesen Ruf eines „Robin Hoods“ vom Hunsrück. Die literarisch bekannteste Darstellung bot dann Carl Zuckmayers Werk „Schinderhannes“ von 1927.

Doch auch, wenn man heute weiß, dass es überwiegend ein romantisches Räubermärchen ist: der Mythos des edlen Räuberhauptmanns Schinderhannes lebt im Hunsrück bis heute.

Schinderhannespaarklein